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Wie in den 20er Jahren entwickelten sich der amerikanischen Fotografie auch in den 50er Jahren ähnliche experimentelle Formen. Mit dem Subjektivismus sollten private Meditationen durch Ausschnitte aus der Realität visualisiert werden. Bei H. Callahan etwa trägt ein einzelner Grashalm das ganze Bild. Ebenso rigoros waren die Aufnahmen von Minor White, der als einer der bedeutendsten Fotografen dieser Zeit Landschaften abbildete, die einen Weg zum Übersinnlichen darstellen sollten, wozu auch die Zufälligkeit meisterhaft genutzt wurde. Auch mit Porträtstudien wurde wieder experimentiert. Diane Arbus nutzte die Kamera als gesellschaftlichen Seismographen, in den 50er Jahren noch mit Modefotografie, später dann trugen ihre Porträts das Antlitz von Massenkultur, Krieg und Kommerz, schließlich fotografierte sie Außenseiter der Gesellschaft. Auch andere großartige Fotografen der Nachkriegszeit machten mit Porträtaufnahmen Furore. Dazu zählt etwa Arnold Newman, der meist ausgefeilte Kompositionen schuf, die einen hohen künstlerischen Anspruch einlösten.
Mode und Werbung boten ein wachsendes Betätigungsfeld. Neben der traditionellen Glamourfotografie entstanden neue Stilformen. Irving Penn machte seine Aufnahmen in leeren Räumen vor neutralem Hintergrund. Optische Wirkung und Lichtkontraste ermöglichten die Vorstellung, dass Luxus auch als Askese verstanden werden kann. Dass sich die Abstrakte in der Kunst der Nachkriegszeit durchsetzte, zog auch die Fotografen an. Doch in ihrem Medium konnten sie sich schwerlich aus dem Gegenständlichen befreien. In Deutschland war es vor allem Otto Steinert, der mit seiner subjektiven Fotografie eine einflussreiche Schule schuf. Mit unerbittlicher Strenge sollte die Fotografie zu einem persönlichen Erlebnis ausgebaut werden, um zur Hohen Schule der Abstraktion vorzudringen. Insbesondere die perfekte Vergrößerung von Strukturen von Sachen und Menschen galt als Höhepunkt. Mit seiner ganzen Kraft sollte der Fotograf dem Bild eine psychologische Qualität abringen.
Weiter ging der Weg experimenteller Fotografie in den 60er Jahren. Durch vielfältige technische Verfahren, durch Fotogramme und Fotomontagen suchte man künstlerische Vorstellungen umzusetzen. Die Fotografie sollte sich von der Realität lösen und mit ihren Mitteln ästhetische Strukturen erzeugen. Als Medium der Dokumentation verlor die Fotografie ohnehin ständig an Bedeutung, und durch kommerzielle Entwicklungen verfiel sie der Banalisierung. So suchten manche Künstler neue Aufgaben und Impulse. Die Pop-art beispielsweise benutzte Bilder der trivialen Alltagswelt und verfremdete sie. Pop-art-Künstler wie Andy Warhol nutzten fotografische Bilder meist in serieller Weise und brachten sie so in andere Zusammenhänge. Gegenbewegung war der Hyperrealismus Anfang der 70er Jahre, die mit überscharfen Realitätsdarstellungen Vorlagen auch für die Maler lieferte. Hinzu kam in dieser Zeit auch die Entwicklung der Aktionskunst. Mit ihr sollte die Distanz zwischen Betrachter und Künstler überwunden werden. Aufgabe der Fotografie war es, solche „Happenings“ zu dokumentieren, nicht mit eigenem künstlerischen Anspruch, sondern darauf beschränkt, Spuren zu erzeugen, die auf das eigentliche Kunstwerk verweisen.
Die teilweise dramatischen politischen und sozialen Veränderungen in den 60er und 70er Jahren beeinflussten auch die Fotografie. In dieser Zeit der geistig-kulturellen Krise verlor sie endgültig ihre Funktion als Dokumentationsmedium an das Fernsehen. Man suchte neue Aufgaben auf drei Gebieten: den Gebrauch des Fotos durch den Künstler, das Foto als bildnerisches Medium unter anderen sowie als Mittel zur Wiedergabe der Realität. Am bedeutsamsten wurde die Reportagefotografie, wie sie etwa in der Dokumentation von Kriegen und Katastrophen der jüngsten Vergangenheit von D. McCullin und anderen erkennbar wurde. Stiller sind die Themen des tschechischen Fotokünstlers Josef Koudelka, der vor allem durch Aufnahmen osteuropäischer Zigeuner bekannt wurde.
Das Umdenken löste sich vom Glauben an die Wahrheit des Einzelbildes sowie vom Kult der ästhetischen Gestaltung als Selbstzweck. Über Bildfolgen und Serien gelangte man zum Text-Bild-Dialog. So entstanden neue Formen der Dokumentation. Der Fotograf wurde zum Autor, zum Schöpfer eigener Bildwelten. In Deutschland wirkten u.a. Bernd und Hilla Becher in dieser Richtung. Es ging jetzt um die Frage: Wie haben wir die Welt noch nie gesehen? Dieser Stil ist Teil einer umfassenden Vielfalt der Wege in der heutigen Zeit, mit der im internationalen Rahmen immer neue Motive und Konzepte erprobt werden. Etwa die Sicht auf den eigenen Körper, wie bei der Holländerin T. Firma, oder die Reduktion der Grundstrukturen einer Landschaft und ihr Auffüllen mit leuchtenden Farben bei dem Italiener F. Fontana. Die Arbeiten des Japaners Nabuyoshi Araki zeigen das Chaos moderner Bildwelten, das ungeordnete Nebeneinander von Industrie- und Medienkultur. Den Dokumentaristen W. Eggleston faszinierte die alltägliche Banalität Amerikas. Robert Mapplethorpe sorgte dagegen für Skandale mit seinen homoerotischen Motiven, die Sexualität und Gewalt verknüpften.
Insgesamt war das Interesse an der erotischen Fotografie noch nie so groß wie in der Gegenwart. Es ist heute eine Darstellung zwischen Dokumentation und Inszenierung. Orte und Ambiente spiele eine wichtige Rolle. Helmut Newton entwickelte einen eigenen Stil, der auch die Mode- und Werbefotografie beeinflusste. Seine „starken“ Frauen in einer kulissenhaften Wirklichkeit zeigen sich in der Pose des eiskalten Engels. Auch bei der Französin Bettina Rheims ist das Hotelzimmer eine bevorzugte Kulisse. Im Unterschied zu anderen Fotografen sucht sie die Zwiesprache von Modell und Kamera.
Das in den letzten zwei Jahrzehnten entwickelte Unbehagen an der Flut authentischer Bilder regte Fotokünstler an, die Realität nicht zu interpretieren, sondern neue, unbekannte Bilderwelten zu arrangieren. Bei Jeff Wall etwa handelt es sich um aufwendige Inszenierungen, bei denen jedes Detail sorgfältig vorbereitet bzw. eingeübt wird. Damit soll der Mythos des entscheidenden Moments durchbrochen werden, den der Fotograf vermeintlich erkennen muss. Demgegenüber steht die Welt der absoluten Künstlichkeit. So entstehen pedantische Inszenierungen von Armut und Einsamkeit in schönen Bildern. In diesen fiktiven Bildwelten wird die Denkarbeit zur Herstellung eines Konzepts zur Hauptleistung, die fotografische Ausführung lediglich zur Information über das Konzept.
In der Diskussion über das Künstlerische in der Fotografie hat sich die Überzeugung durchgesetzt, dass Bilder nach eigenen Gesetzmäßigkeiten hervorgebracht werden müssen. Gleichwohl wird das Foto auch in anderen Formen der Kunst eingesetzt. Sigmar Polke etwa bezieht das traditionelle Foto in seine Malerei ein. In der bildenden Kunst des letzten Jahrzehnts entstanden großformatige Tafelbilder, die häufig in der Dunkelkammer angefertigt wurden. Anders als Joseph Beuys, der sich noch mit der vermeintlich mythischen Kraft der Fotografie beschäftigt hatte, versuchen Künstler heute, über das technische Medium Foto dem Erscheinungspotential des Menschen näherzukommen.
Das herkömmliche Bild, also der gerahmte Papierabzug, hat immer noch seinen Platz. Unverändert an der Realität ausgerichtet wird heute dennoch mehr die Künstlichkeit betont. Die Selbstdarstellung und Körperlichkeit finden großes Interesse. Mit der Entwicklung der Digitalen Fotografie zeichnen sich Möglichkeiten ab, auch diese Formen zu verändern oder aufzulösen. Nach wie vor setzt sich die Fotografie mit dem Verhältnis von Echtheit und Künstlichkeit auseinander. Manche betreiben Nostalgie, um mit der Technik des 19. Jahrhunderts eine verlorene Dimension wieder zu entdecken.
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